Schaumarten, PU Schaum

PU-Schaum und Gesundheit

PU-Schaum ist ein technisch-chemisches Produkt. Es dämmt gut und lässt sich leicht verarbeiten. Um das Produkt sicher zu verwenden, sollte man wie bei allen chemischen Produkten bei der Handhabung die allgemeinen Arbeitsschutzvorschriften beachten. Das heißt: für gute Belüftung sorgen, eine Schutzbrille und Handschuhe tragen. Wir sagen Ihnen, warum.

Atemwege und Hautkontakt

Gesundheit, PU Schaum

Den meisten Einfluss auf die gesundheitliche Betrachtung von Bauschaum hat der Inhaltsstoff Isocyanat (MDI). Freies Isocyanat kann, wenn es in Konzentrationen über dem Arbeitsplatzgrenzwert eingeatmet wird, Reizungen der Atemwege verursachen.

Beim normalen Gebrauch einer PU-Schaumdose wird der Arbeitsplatzgrenzwert in der Regel nicht überschritten. Trotzdem empfiehlt es sich, bei der Arbeit mit PU-Schaum für eine gute Belüftung zu sorgen, denn empfindliche Personen können manchmal schon auf sehr geringe Mengen von MDI hypersensibel reagieren.

Die Berufsgenossenschaft Bau hat 2017 in einer Studie die Gesundheitsgefahren bei der Arbeit mit PU-Schaum untersuchen lassen. In der Zusammenfassung heißt es dort: „Der Einsatz von Montageschäumen bedeutet für die Anwender eine kaum messbare Isocyanat-Exposition. Lediglich bei der Arbeit der Künstlerin mit Montageschaum wurden Expositionen über der Bestimmungsgrenze gemessen, allerdings um mehr als 20fach unter dem AGW für MDI bzw. um den Faktor 25 unter dem ELW für TRIG. Bei diesen Arbeiten härtete eine große Menge Montageschaum an der Stelle, an der sich die Künstlerin während der Messzeit aufhielt.“

Schützen Sie Ihre Augen mit einer Schutzbrille

Kommt das flüssige Polyurethan mit den Augen in Kontakt, kann das leichte bis mäßige Reizungen und Hornhautverletzungen verursachen, die aber reversibel sind. Davor schützen Sie sich am besten mit einer Schutzbrille. 

Kleidung schützt Ihre Haut

Gleiches gilt für den Hautkontakt. Polyurethan kann, solange es noch nicht ausgehärtet ist, die Haut reizen. Außerdem klebt der Schaum stark und ist deswegen nicht leicht von der Haut zu entfernen. Wenn Sie Ihre Haut vollständig mit Kleidung bedecken, haben Sie dieses Risiko gebannt.

Sicherer Umgang mit Druckgasen

Bauschaumdosen, Sicherheit, kein Erhitzen

Weil der Umgang mit Spraydosen so normal ist, wird die Explosionsgefahr von Druckgasen manchmal unterschätzt. Zwar kommt es nur sehr selten zu Unfällen mit PU-Schaumdosen, die wenigen jedoch haben immer den leichtsinnigen Umgang mit Druckgasen als Ursache – oft in Verbindung damit, dass in unmittelbarer Nähe mit offenem Feuer gearbeitet wurde oder eine Dose beschädigt war.

Daraus lassen sich folgende wichtige Vorsichtsmaßnahmen ableiten, denn ohne Fremdeinwirkung gibt es auch keine Explosion.

  • Auch wenn der kleine Knick gar nicht so schlimm aussieht: Sie sollten niemals mit beschädigten Dosen arbeiten! Schon eine leichte Beschädigung der Dose kann dazu führen, dass sie dem Druck des Gases nicht standhält und explodiert.
    Lesen Sie dazu auch unsere Tipps zu Lagerung und Transport von PU-Schaumdosen.
  • Bei der Arbeit mit Druckgasdosen sollten Sie auch in der Nähe nicht mit offenem Feuer arbeiten oder gar mit dem Feuerzeug Ihre Arbeit überprüfen.
  • Außerdem sollten Sie nie eine Dose zu schnell erhitzen, weil sich auch dann das Druckgas zu schnell ausdehnen kann.
    Lesen Sie unsere Tipps zur Arbeit mit PU-Schaum im Winter
  • Dazu gehört es auch, PU-Schaumdosen niemals im Auto liegen zu lassen, wenn damit zu rechnen ist, dass sich das Auto durch die Sonne stark aufheizen kann.
    Hier geht es zu unseren Tipps zu Lagerung und Transport von PU-Schaumdosen
  • Je enger der Raum ist, in dem Sie arbeiten, desto größere Vorsicht ist geboten. Wenn Sie in engen Schächten arbeiten, die Sie auch nicht gut belüften können, sollten Sie auf den Einsatz von PU-Schaum verzichten.

Emissionen

Emissionen, Montageschaum

Inwieweit bei Parkettklebern, Farben, Lacken, Schutzbehandlungen für Polsterbezüge oder eben Dämmstoffen wie PU-Schaum mit Ausdünstungen, gerechnet werden muss, bewertet das wettbewerbsneutrale Klassifizierungssystem EMICODE.

Das System kennt drei Qualitätsstufen: EC1plus (= sehr emissionsarm), EC1 (= sehr emissionsarm) und EC2 (=emissionsarm). Ursprünglich wurde der EMICODE für Kleb- und Dichtstoffe entwickelt, die großflächig eingesetzt werden, zum Beispiel für Parkettkleber.

Seit einigen Jahren können auch Dichtstoffe nach den strengen EMICODE-Richtlinien getestet werden, die in vergleichsweise sehr geringen Mengen eingesetzt werden, etwa PU-Schaum. PU-Schäume, die sich den Test unterworfen haben, wurden als sehr emissionsarm eingestuft und erhielten die Auszeichnung EC1plus (= sehr emissionsarm).

Hier finden Sie weitere Informationen zum Emicode.

Einstufung als H351 nach GHS

Chemikalien, PU Schaum

Nach dem globalen harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) der Europäischen Union muss PU-Schaum mit dem H351 Satz gekennzeichnet werden. H351 gibt an, dass ein Produkt möglicherweise eine krebserzeugende Wirkung haben kann.

Diese Vermutung geht auf einen Tierversuch zurück, der Anfang des Jahrtausends durchgeführt wurde. Dabei wurden Tiere für zwei Jahre einem lungengängigen Aerosol von polymeren MDI ausgesetzt.

Für den Versuchsaufbau wurde MDI so umgewandelt, dass es über längere Zeit einzuatmen ist. Ein solches einatembares Stoffgemisch kommt bei einer üblichen Anwendung von PU-Schaum jedoch gar nicht vor.

Eine kurze Zusammenfassung der Studienergebnisse finden Sie auf dem Sicherheitsdatenblatt der ISOPA.

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